Elektrische Kleinstwagen und Mikromobile für die Stadt


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dpa/Thomas Geiger

Sind Roller und Schmalspur-Kleinwagen mit E-Motor der entscheidende Schlüssel in der notwendigen Verkehrswende, der gleichzeitig die Tür zum Erhalt der Individualmobilität offen hält? Eine klare Antwort darauf verbietet sich schon deshalb, weil Prognosen immer dann besonders schwierig sind, wenn sie die Zukunft betreffen – eine Erkenntnis, die verschiedenen Autoren nachgesagt wird. In Zeiten zunehmender Wohnraumverdichtung wird es aber immer schwerer vorstellbar, die bisherige Vorstellung durchzusetzen, sich mit einem Auto konventionellen Zuschnitts den Weg durch die Innenstadt zu bahnen. Denn das benötigt eine Verkehrsfläche von mindestens rund 8 m², oft genug auch deutlich mehr.

Dieser Platz ist in Ballungsräumen jetzt schon nicht da, mit dem zu erwartenden Zuzug in und um die Städte verschärft sich das Problem. Deshalb sollen an der Nahtstelle zwischen Auto und Fahr- oder Motorrad elektrische Roller und Schmalspur-Kleinwagen auch auf der Kurzstrecke das Laufen ersparen und individuellen Nahverkehr ermöglichen. Diese Idee wird derzeit von einigen Herstellern verfolgt.

Mikromobilität

Wenn nur die Hälfte der im März auf dem Genfer Autosalon gezeigten Studien in Serie geht, spült dieser Trend bald eine ganze Reihe noch ungewöhnlicher Fahrzeuge in unsere Städte. Das buchstäblich bunteste zeigt Citroën: Ami One Concept heißt der 2,50 Meter lange und 1,50 Meter schmale Zweisitzer, der als Alternative zu ÖPNV und Motorroller entwickelt wurde. Elektrisch angetrieben mit einer Batterie für einen Aktionsradius von 100 Kilometern, ist er bis zu 45 km/h schnell. Er könnte je nach Land und Gesetzgebung schon ab 16 Jahren gefahren werden, braucht deutlich weniger Platz als ein konventioneller Wagen, ist aber sicherer als ein Roller und fährt, anders als der Bus, wann und wohin es der Nutzer will, so umreißen die Franzosen die Vorteile.

Nach dem gleichen Prinzip hat Seat den Minimo gestaltet, der mit seinen freistehenden Rädern sogar nur 1,20 Meter breit ist. Auch er folgt dem Ideal der Schmalspurmobilität und soll der Verkehrsraum effizienter nutzen. Und damit man für ihn nicht überall neue Ladesäulen braucht, kann man die Batterie wie bei einem E-Bike ausbauen und daheim an der Steckdose laden.

Der breite Sven

Ein weiterer neuer Kleinstwagen ist Sven, den Share2Drive aus Aachen entwickelt hat. Wo Seat und Citroën in die Länge bauen, geht das „Shared Vehicle Electric Native“ in die Breite und erinnert so an einen etwas aus dem Leim gegangenen Smart. Doch das Wachstum zahlt sich aus: Mit einer Länge von 2,50 Metern kann Sven noch immer quer parken und bietet auf der durchgehenden Bank hinter den großen Schiebetüren Platz für drei Insassen und bis zu 580 Liter Gepäck. Auch Sven fährt elektrisch, sprintet mit seinem 24 kW-E-Heckmotor auf bis zu 120 km/h und kommt mit einer Ladung der 20 kWh-Akkus in der Theorie 140 Kilometer weit.

So ganz neu sind alle diese Ideen nicht. Schließlich gibt es den ursprünglich als reines Elektroauto konzipierten Smart als kompakten Zweisitzer schon seit 20 Jahren. Und wie man auf schmaler Spur und ohne lokale Abgase mit der Sicherheit von vier Rädern durch die Stadt kommt, beweist nicht zuletzt der spartanische Renault Twizy. Doch Konzepte wie Ami One, Minimo oder Sven machen sich die zunehmende Konnektivität zunutze und sind deshalb einen Schritt weiter: Sie alle sind prädestiniert für den Einsatz in Carsharing-Flotten, werden über Apps minuten- oder tageweise gebucht, haben deshalb nicht einen, sondern viele Fahrer und machen so in der Theorie gleich mehrere konventionelle Autos überflüssig.

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