Rettet uns Fahrfreude vor dem Verkehrskollaps?


Meinung
Florian Pillau

Die originellsten Ideen entstehen oft aus sogenannter Langeweile – oder angesichts einer unübersichtlichen Problemlage. Für diese hier ist es wahrscheinlich schon zu spät, sie setzt immerhin einen Kulturwandel voraus. Aber wer weiß? Lassen sie uns wenigstens träumen

Wir bekommen zunehmend bedrohliche Mobilitätsprobleme. Mit Überlastung der Straßen und Städte, Vergiftung der Atmosphäre, Klimaüberhitzung, Ressourcenvergeudung als Nebenwirkungen. Uns scheint, das hängt stark damit zusammen, dass die Menschen nicht mehr wissen, worauf es beim Autofahren eigentlich ankommt. Nach unserer Verlustrechnung glauben wir sogar, sie werden dazu gebracht, das zu vergessen.

Wir haben ferner eine Theorie, über die wir uns schon lange ziemlich ratlos austauschen. Gerade wieder, denn wir hatten einen Mazda MX-5 in der Redaktion. Eines der wenigen, richtigen Autos, die es noch gibt. Eine Möglichkeit, zu verstehen, was Fahrfreude bedeuten kann. Ein gegebener Anlass, zu bekennen, was wir ernsthaft glauben: Die meisten da draußen wissen längst nicht (mehr), was das wirklich ist. Sie dürften es nicht (mehr) erlebt haben – und wer könnte es ihnen vermittelt haben? Sonst könnte man ihnen doch keinesfalls diese Möbel mit Smartphone-Funktionen in solch unfassbaren Massen verkaufen. Man kann es aber verstehen: Mit solchen Objekten haben sie im täglichen Stau immerhin noch ein bisserl Unterhaltung. Ist es sein sogenanntes SUV, können sie ein wenig von Freiheit träumen. Es ist kläglich.

(Un)freie Entscheidung

Das Argument, dass die Industrie ja nur liefert, was die Verbraucher nachfragen, ist insofern scheinheilig. Kunden haben nicht die volle Freiheit, wenn sie interessengeleitet informiert werden, schon gar bei einem technisch komplexen Thema – frei nach Marie von Ebner-Eschenbachs „wer nichts weiß, muss alles glauben“. Konsumanreize werden durch realitätsfremde Werbung angestoßen und durch Einflussnahme auf Multiplikatoren. Wer aber hilft den Verbrauchern beim Nachdenken über ihre wirklichen Bedürfnisse angesichts des abzusehenden Verkehrs- und Ressourcenkollaps? Ein erster Schritt wäre eine Reflexion über das Auto als Mittel der Mobilität, ein einfacher Einstieg ins Thema die Frage nach dem Lustgewinn. Vorteil und gleichzeitig Problem dabei: Nachdenken kann zu unerwarteten Nebenwirkungen führen. Etwa über das Verhältnis zwischen Politik und Industrie.

Quälende Ödnis Mobilität

Wie wäre es, wenn mehr von diese Kunden wüssten, was Fahrfreude bedeutet? Vielleicht würden sich mehr von ihnen für Qualität anstelle von Quantität entscheiden. Die Überlastung der Straßen und Städte, die Vergiftung der Atmosphäre, die Klimaüberhitzung, die Vergeudung von Ressourcen könnten effizient verkleinert werden, wenn mehr Menschen nur noch aus wirklich empfundener Lust mit dem Auto fahren, ansonsten aber konsequent die Öffis benutzen, genussvoll zu Fuß gehen oder aus echter Freude Rad oder Krad fahren würden. Sie empfänden das, was Autofahren heute bedeutet, dann vielleicht noch viel intensiver als die quälende Ödnis, die sie nun mal ist.

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