Tablet statt Tafel – zu Besuch in einer iPad-Schule


Bereits auf den Fluren merkt man, dass in dieser Schule etwas anders ist. Mädchen und Jungen sitzen während des Unterrichts mit ihren Tablets auf dem Boden im Gang und lösen Matheaufgaben. Einige von ihnen haben einen speziellen Stift in der Hand, mit dem sie auf dem Bildschirm schreiben können. Es herrscht Campus-Atmosphäre. Mittlerweile wird hier fast komplett digital gearbeitet. Wo früher eine Tafel war, steht heute ein großer Fernseher. Wenn die Fünft- bis Zehntklässler etwas präsentieren wollen, verbinden sie ihr Tablet mit dem Fernseher oder schicken die Dateien an ihre Mitschüler. Alle haben eine digitale Mappe, in der sie Aufgaben bearbeiten und abgeben.

Wie eine digitale Schule aussehen kann, zeigt die Oberschule Gehrden. Nach ersten Tests im Jahr 2010 stellte sie sich nach und nach um. Unterstützung erhielt sie dabei vom Träger, der Stadt Gehrden. „Wir hatten Glück, vorausschauende Mitarbeiter bei der Stadt zu haben“, erinnert sich Schulleiter Carsten Huge. Insgesamt seien rund 150.000 Euro in Digitalisierung, Glasfaserkabel, WLAN-Netze und Server gesteckt worden.

Ende 2017 erhielt die Oberschule als erste öffentliche deutsche Schule die Auszeichnung „Apple Distinguished School“. Weltweit tragen laut iPad-Hersteller Apple inzwischen 470 Schulen diesen Titel, davon 7 in Deutschland.

„Wir sind noch lange nicht am Ende“, betont der Schulleiter. Der Personalbedarf werde sich ändern. „Es müssen neue Stellen geschaffen werden, die Schule braucht einen IT-ler.“ Mit dem Kauf von Tablets sei es nicht getan, meint auch die didaktische Leiterin, Anke Berlin: „Das iPad ist nicht das Allheilmittel.“ Häufig fehle es noch an passenden Unterrichtsmaterialien. Die hätten die Lehrer meist selbst erstellen müssen.

„Nahezu jedes Material, das die Verlage heute verkaufen, ist immer auch digital erhältlich – Text, Audio, Video, Bilder, auch Wandkarten und Atlanten“, sagt dagegen Ilas Körner-Wellershaus, Vorsitzender des Verbandes der Bildungsmedien. Der Trend gehe aber zu Plattformen, die das digitale Lehrbuch im Mittelpunkt haben und dem die Lehrkräfte dann eigenes und fremdes Material zuordnen können.

Mit AR-Apps werde der Unterricht anschaulicher, argumentiert Apple.

Mit AR-Apps werde der Unterricht anschaulicher, argumentiert Apple.

(Bild: Apple)

Insgesamt verändere sich das Arbeiten der Lehrer, meint Schulleiter Huge. „Aus Einzelkämpfern werden Teamplayer.“ Dabei komme auch den Schülern eine andere Rolle zu. „Wir brauchen eine Abkehr vom Frontalunterricht hin zu einer Mitwirkungspflicht der Schüler.“ Die Schule solle Qualifikationen vermitteln, auf die es im Berufsleben ankommt. Das Tablet sei ein Werkzeug dafür.

Bei den Schülern kommen die Geräte gut an. „Es ist einfacher und praktischer, und es ist nicht so viel zu tragen“, sagt die zwölfjährige Hanna. Die Geräte gehören den Kindern. Die Eltern können das Tablet in einer Summe oder in monatlichen Raten zahlen.

Damit es im Unterricht nicht zu Problemen kommt, gibt es zehn sogenannte iPad-Regeln. Eine davon: Das Tablet muss am Morgen mit 100 Prozent geladen sein. Einen Freifahrtschein zur unkontrollierten Nutzung soll es nicht geben. „Die iPads können überwacht werden“, sagt Nikolai. Man könne nicht einfach daddeln, ohne dass der Lehrer es bemerkt. Die Lehrkräfte könnten während des Unterrichts mit einer App jederzeit die Bildschirme der Geräte kontrollieren. Wichtig ist es, alle Daten speichern. Sonst könne etwas verloren gehen, sagt sein Mitschüler Sverre.

Trotz aller Digitalisierung gibt es noch Situationen, in denen an der Oberschule Gehrden ganz klassisch und analog gearbeitet wird, denn auf dem Weg zur digitalen Schule in Niedersachsen sind noch juristische Fragen offen. Klassenarbeiten müssen in Gehrden aufgrund fehlender rechtlicher Grundlagen noch mit Stift und Papier geschrieben werden. Das findet nicht jeder schlimm. Hanna (12) sagt: „Die Klassenarbeiten sind analog besser.“

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(Maximilian Hett und Christina Sticht, dpa) /


(lbe)



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