US-Ingenieure schlagen eine „grüne“ Mauer an der Grenze zu Mexiko vor


Grafik: TP

Als gemeinsames Projekt von den USA und Mexiko könnte das Grenzgebiet mit Solar- und Windanlagen, Entsalzungsanlagen und einer Pipeline zu einer boomenden „Oase“ werden

Gegen den Widerstand der Demokraten im Kongress verfolgt Donald Trump weiter den Plan, die 3200 km lange Grenze zu Mexiko mit einer „schönen“ Mauer zu befestigen und abzudichten. Seine Forderung beläuft sich für das Haushaltsjahr 2010 auf 8,6 Milliarden US-Dollar, was aber bei weitem nicht ausreichen würde, die ganze Grenze mit einer Mauer zu versehen. Nach Schätzungen kostet eine Meile (1,6km) etwa 25 Millionen US-Dollar. Für das Haushaltsjahr 2019 hatte Trump 5,7 Milliarden gefordert, der Kongress hatte 1,375 Milliarden gebilligt, aber nicht für Trumps Mauer, sondern vor allem für Reparatur und Bau von Grenzzäunen.

Trump hatte den Mauerbau dann zu einer Frage der nationalen Sicherheit erhoben, was ihm ermöglichen sollte, über 8 Milliarden aus dem Finanz- und Verteidigungsministerium für den Mauerbau am Kongress vorbei umzulenken. Es bleibt aber zunächst bei 2,5 Milliarden USA-Dollar, mit denen 225 km von Trumps Mauer gebaut werden sollen. Eine Milliarde hatte der damals nach dem Rücktritt von Jim Mattis amtierende Verteidigungsminister Shanahan bereits aus dem Pentagon-Haushalt abgezwackt. Nun hat ihn Trump zum künftigen Verteidigungsminister nominiert, was noch einmal 1,5 Milliarden für den Mauerbau aus verschiedenen Pentagon-Töpfen einbrachte. Nach Shanahan habe das nur einen „minimalen Einfluss auf die militärische Bereitschaft“. Das Militär sei bereit, die Krise an der Grenze zu lösen. Jetzt sind nach ihm 4000 Soldaten und 19 Militärmaschinen an der Grenze im Einsatz. Die Rede ist davon, dass aus dem Baubudget des Pentagon noch einmal 3,6 Milliarden umgeleitet werden könnten.

Gerade haben Ingenieure aus vielen amerikanischen Universitäten einen Vorschlag vorgelegt, wie der Mauerbau in ein anspruchsvolles Projekt verwandelt werden könnte, der die von den Konservativen angestrebte Sicherheit mit dem von demokratischen Politikern verfolgten Green New Deal verbinden könnte. Da der Großteil der Grenze in trockenen und windigen Gebieten mit hoher und langer Sonneneinstrahlung liegt, wird ein Windpark aus Solar- und Windanlagen angedacht. Die Anlagen könnten in die Sicherheitsbarrieren wie die Mauer oder einen Grenzzaun, ergänzt mit Sensoren, Drohnen und anderer Überwachungstechnik, integriert werden. Über ein smart grid könnte das Projekt modular in Sektionen aufgeteilt und an verschiedene Hersteller und Betreiber vergeben werden. Zudem böte sich die Chance, den Strom je nach Tag und Nacht von der Ost- an die Westküste oder umgekehrt zu leiten, um Zeiten der Dunkelheit oder fehlenden Winds auszugleichen.

Der Future Energy, Water, Industry and Education Park (FEWIEP) wäre ein großes und umfassendes Infrastrukturprogramm, das auch der Wirtschafts- und Technologieförderung auf beiden Seiten der Grenze dienen und deswegen als gemeinsames Projekt von den USA und Mexiko realisiert werden sollte. Nicht nur wegen der Mauer, sondern auch wegen der vielen Jobs, die auf beiden Seiten der Grenze geschaffen würde, könnte sich die illegale Immigration drastisch reduzieren lassen. Die USA und Mexiko könnten mit dem Projekt zu den weltweit führenden Solarenergieanbietern werden. Zudem ließe sich die Wasserknappheit in vielen Grenzregionen lösen, da mit dem gewonnenen Strom Entsalzungsanlagen an den Küsten betrieben werden könnten, das Wasser ließe sich mit der Energie auch über eine an der gesamten Grenze zu bauende „Superpipeline“ zu den Orten pumpen, wo es gebraucht wird.

Die über 3000 km lange „Oase“ der bis zu 100 km breiten Zone, so schwärmen die Ingenieure, die dafür ein Konsortium aus Universitäten, Industrien und Labors organisieren wollen, wird zum Ort einer „enormen landwirtschaftlichen Produktion, sie schafft Wohlstand für Mexiko und die USA und vermindert CO2 in der Atmosphäre“. Von mexikanischer Seite können auch technische Expertise und Innovationen beigetragen werden, was schon eher gnädig klingt.

Grenzzaun zwischen Mexico und den USA in Arizona. Bild: U.S. Customs and Border Protection / Public Domain

Für Donald Trump, der unbedingt die Mauer will und dessen Infrastrukturprogramm bislang dahindümpelt, könnte ein solches Projekt ein Durchbruch sein, zumal die Demokraten, die auf Erneuerbare Energien setzen, dies kaum blockieren dürften. Und er könnte damit an eine seiner Ideen anschließen. Im Juii 2017 hatte er bereits vorgeschlagen, eine „Solarmauer“ an der Grenze zu bauen. Es gebe dafür keinen besseren Platz als die Südgrenze, es gebe dafür große Unternehmen, und eine „Solarmauer“ würde auch noch „schön“ aussehen und sich selbst finanzieren. Im April zuvor waren auch entsprechende Bauvorschläge eingereicht worden. Kritik wurde damals an den Kosten und am Sinn und Zweck einer solchen „Solarmauer“ laut. Dazu würde sie ökologische Schäden verursachen und es ist keineswegs klar, ob die Grundeigentümer im Grenzgebiet, die sich jetzt gegen einen Verkauf sperren, dann williger wären.
(Florian Rötzer)



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