Huawei-Bann: Handelsstreit V 4.0 | c’t



Michael Link


Irgendwann im Jahr 2025: Ich merke sofort, dass etwas nicht stimmt, weil die norddeutsche Steppenlandschaft nicht mehr im gewohnten Tempo an meinen Seitenscheiben vorbeisaust. Mein autonom gesteuertes VWägelchen fährt viel langsamer als sonst: 65 mph steht auf dem Entertainment-Display.

Ich schaue gerade eine neue Folge der neuen Game-of-Drones-Serie, als die Erklärung für meine Schleichfahrt in grellen Lettern dazwischenfunkt: „Braking News: US-Präsident Trump II. hat Telematikkonzerne auf eine Höchstgeschwindigkeit von 65 mph in autonomen Autos verpflichtet.“ Ein Tweet zeigt, wieso: „Schneller als 65 Meilen pro Stunde, das ist Terrorismus, sehr schlimm!“.

Natürlich ziehen alle Konzerne in dieser 65-mph-Sache sofort mit, denn sonst träfe sie der präsidiale Bannstrahl. Nach ein paar Tagen gewöhne ich mich an das gemächliche Rollen. Noch Jahre zuvor war die Politik krachend an einem Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen gescheitert – nun drückten von politischen Dekreten getriebene Konzerne aus Übersee so was hierzulande ganz ohne lästige demokratische Prozesse innerhalb von drei Tagen durch.

Ein paar Wochen später: Wieder stoppt das Video während der Fahrt zur Arbeit: „Braking News: Aus Gründen der nationalen Sicherheit verhängt die US-Regierung einen Bann für die Auslieferung und den Betrieb von Steuerungssoftware in europäischen Fahrzeugen. Und zwar ab sofort, unverzüglich. Schönen Tag noch! Es bleibt sonnig mit bis zu 35 Grad.“ Dann stoppt mein Auto, mitten auf der Fahrbahn, gemeinsam mit vielen anderen. Das automatische Update hat soeben Stilllegungsbefehle geschickt und die tun nun wie geheißen.

Ich nehme mein Smartphone aus der Tasche. Es ist ein chinesisches Modell, mehr gibt mein schmales Gehalt nicht her. Gerade wähle ich die Nummer meiner Firma, als ein Banner auf dem Display erscheint: „Der Anruf einer Firma, die Produkte in die USA ausführt, ist von einem Telefon mit Betriebssystem aus China nach einem Dekret des Nationalen Volkskongresses leider nicht möglich.“ – Besetztzeichen.

Mir reichts. Ich mache mich auf die Socken zur nächsten Raststätte. Was passiert, als ich dort den Toilettenzugang mit meinem Smartphone drahtlos bezahlen will, wollen Sie nicht wissen.

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